Sonntag, 18. November 2012

[Konzert] Die Selbstinszenierung des David Garrett

Nach Die Ärzte und Royal Republic folgte im Konzertmarathon ein wenig Entspannung bei einem "klassischen" Konzert. Klassisch insofern, dass David Garrett ja auch viel Crossover spielt und genau darüber möchte ich euch jetzt ein bisschen was erzählen.

Ich bin wirklich ein Fan von seiner Musik und seinem Können, weil es mir ein Genre eröffnet hat, welches ich für mich selbst so noch nicht kannte, denn seit ich zunächst die Interpretationen von modernen Stücken gehört habe, hab ich mich auch immer mehr an die Klassik heran getraut.

Für alle die nicht wissen von wem ich spreche, schieb ich jetzt mal eine kurze Erklärung ein. David Garrett ist ein in Aachen aufgewachsener Violinist, der sehr früh als "Wunderkind" gehandelt wurde. Seit ein paar Jahren ist er immer wieder durch seine Crossover Projekte im Gespräch. In den letzten Jahren ist das ein oder andere Album erschienen und ich habe ja das Gefühl, dass dieser Mann keinerlei Urlaub macht.

Am Mittwoch war ich also das zweite Mal nach 2010 auf einem Konzert von ihm und ich muss eingestehen, dass es mir diesmal einfach zu viel war.
Damit will ich die Musik und sein Spiel nicht einmal ansatzweise kritisieren, denn David, seine Band und das große Orchester haben wirklich gut gespielt und man kann einfach nicht bestreiten, dass dieser Mann unheimlich viel Talent hat. Die Mischung hat mir auch wieder sehr gut gefallen. Es war sehr ausgewogen die Klassik ist nicht zu kurz gekommen und die Moderne auch nicht, aber jetzt kommt das "aber" und das was ich einfach für zu viel gehalten habe.

Denn anstatt sein Können wirken zu lassen gab es eine übermoderne (ich gebe zu auch sehr gut aufeinander abgestimmte und gut gemachte) Bühnenshow, viel BoomBoom, viele Feuer und Knall, 4 eigens mitgebrachte doch eher leicht bekleidete Tänzerinnen und oben drauf noch die Lebensgeschichten des David Garrett.

Mit der Bühnendarstellung, dem BoomBoom und dem Feuer wäre ich ja wirklich noch zu Recht gekommen und hätte das ganze für vollkommen in Ordnung gehalten, aber die Tänzerinnen haben meiner Meinung nach gar nicht dazu gepasst, denn warum muss denn so ein guter Musiker durch 4 Mädels so sehr von der Musik ablenken? Warum mussten sie solche kurzen "aufreizenden" Kleider tragen oder auch mal in nem Ganzkörperlatexanzug auf der Bühne stehen?
Und der arme David probiert immer sich durch seine Geschichten, welcher meine Tageszeitung zurecht als Selbstinszenierung  betitelt, sympathisch zu machen. Geschichten an sich finde ich nicht schlimm, mein Problem an Davids ist, dass er sie auswendig lernt vor der Tour und sie dann wortwörtlich auf jedem Konzert wiederholt, zumindest wirkt es prinzipiell so. Natürlich lacht man mit, weil manche Situationen wirklich lustig klingen, aber man merkt dieses auswendig gelernte wirklich deutlich, weil er auch in Zeitformen spricht die niemand so benutzen würde. Mich macht das ja ein bisschen traurig, weil er wirklich sympathisch wirken würde, wenn er einmal sagen würde was er denkt, denn die einzige freie Aussage hat ihn gleich viel lebendiger wirken lassen.
Die Geschichten wirken so aufgesetzt und so gezwungen, als müsste er unbedingt etwas sagen und er probiert immer sich bei seinem Publikum einzuschleimen obwohl er das nicht nötig hat und der Flug mit der Geige über das Publikum war dann in meinen Augen die Krone der Übertreibung und hat mich leider in einen Lachanfall verfallen lassen. 
Warum kann er nicht einfach locker sein und noch mehr Lächeln? Einfach mal drauf losquatschen, sagen was er wirklich denkt in dem Moment?   Er hat ein so schönes Lächeln und ist mein Vorbild in Thema Haar seit Mittwoch, diese Länge zu erreichen wäre ein Traum. ;)

Bei aller Verehrung für die Musik, die Inszenierung muss wirklich nicht sein. Mir reicht die Musik und die Leidenschaft die man ihm bei jedem Ton ansehen kann voll und ganz. Ich habe wenige Musiker gesehen die so wirken beim spielen.

Ich möchte euch jetzt noch zwei Lieder mit auf den Weg geben:

Auf der einen Seite die Humoresque (lasst euch nicht von dem Gequatsche vorab irritieren), welche ich einfach sehr liebe und wohl zu den klassichen Stücken zählt. Vorallem diese Übergänge sind wirklich herrlich. Er ist einfach ein verdammter Gott an der Violine (By the way: Er spielt meist auf einer, wenn mich nicht alles täuscht über 300 Jahren alten, Stradivari) !
Als zweites was für die moderne Seite von ihm Music , wobei sein Repertoire wirklich viele grandiose moderne Stücke umfasst, wie z.B. auch Yesterday von den Beatles, Kashmir von Led Zeppelin, Viva la Vida von Coldplay und so weiter und sofort.

Momentan ist das alles ja wirklich textlastig was ich euch vorsetze, aber die Bilder vom Konzert waren wirklich grausam.

Liebe Grüße
Annie






1 Kommentar:

  1. Ich empfinde David Garrett ehrlich gesagt immer als etwas "zu aufgesetzt" und jene von dir beschriebene Bühnenshow empfinde ich auch als absolut unnötig...
    Ich spreche ihm nicht ab, dass er ein sehr guter Musiker ist, aber er ist mir einfach unsympathisch und ein bisschen "zu viel"...

    Liebe Grüße :)

    Ps.: Mein "Klassik-Liebling" ist übrigens Chopin...

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